Jürgen Küppers (Hg.): Entwicklung der Imkerei und ihre Zukunft

Jürgen Küppers (Hg.): Entwicklung der Imkerei und ihre Zukunft. Bindingen: Eigenverlag 2018

Kippers, Imkerei

Der Mensch in seiner Überheblichkeit, Kurzsichtigkeit und Gier hat die Biene zwar noch nicht ausgerottet (und damit sich selbst), aber sie bereits massiv geschädigt (wie auch sich selbst). Auf die industrialisierte Landwirtschaft mit Monokulturen und Pestizideinsatz hat der Imker keinen Einfluss, hingegen kann er seine eigene Betriebsweise einer kritischen Betrachtung unterziehen und gegebenenfalls Änderungen vornehmen. Dazu will Jürgen Küppers in seinem Buch anregen, um die Zukunft der Imkerei zu sichern. Zunächst gibt er einen Überblick über die Entwicklung der Imkerei und ihrer verschiedenen Betriebsweisen. Er zeigt Alternativen zur herkömmlichen Bienenhaltung auf, die der Bienengesundheit förderlicher sind. „Imker sein heißt heutzutage Arzt am Krankenbett der Biene zu sein. Das Ziel eines jeden guten Arztes sollte es sein, den Patienten wieder gesund zu machen. Ihn permanent medikamentenabhängig zu halten, ist es nicht (sic!).“ (S. 19f.) Er beschreibt die Varroamilbe als Imkertrauma und stellt uns die Pioniere der Resistenzzüchtung vor: Ed und Dee Lusby, Kirk Webster, John Kefuss, Ingemar Fries, Erik Österlund, Josef Koller, Paul Jungels. Juhani Lunden gewährt uns in einem eigenen Beitrag Einblick in seine nun fast 20 Jahre lange Zuchtarbeit, bereichert durch Zitate aus seinem Zuchttagebuch. Die Bienenhaltung in Finnland, Frankreich und Armenien wird vorgestellt, eingebettet in ihre jeweiligen landschaftlichen Besonderheiten und die unterschiedlichen Trachtpflanzen. Am Beispiel Kamerun sehen wir die tiefgreifenden Auswirkungen des Imkerns in Afrika auf die gesamte Gesellschaft: als Mittel gegen den Hunger, zur Gesundheitsförderung und zur Landschaftspflege, aufgrund der damit einhergehenden Wiederaufforstung. Die Schaffung der Mongolischen Imkerei ist das Verdienst Frau Selenges, die seit über 40 Jahren forscht und unterrichtet. Ihr gelang die Zucht einer Biene, die Frost und Trockenheit aushält sowie ein halbes Jahr Winter. Für sie sind Bienen nicht reines Mittel zum Erwerbszweck und sie fordert die dringend nötige „Versöhnung der Menschen mit der Natur“ (S. 133). Bienenhaltung ist auch hier eine gute Möglichkeit, einem kargen Dasein etwas Wesentliches beizufügen. „Sie sehen, diese Menschen, sie sind arm, aber sie fällen nie lebende Bäume, sie sammeln nur das tote Holz zum Heizen. Weil sie wissen, wie kostbar die Wälder sind, die die Hügel bedecken. Wenn sie verschwinden, wird der Ort verschwinden. Nun, ich denke, diese Menschen haben einen entwickelteren Sinn als andere, grob und laut, die mit Jeeps herumfahren und sogar Bäume voller Leben wahllos fällen.“ (S. 133)

In seinem Fazit hält der Autor und Herausgeber fest, dass ohne gesamtgesellschaftliche Veränderung – weg vom Massenkonsum hin zu mehr Nachhaltigkeit – keine langfristigen Erfolge möglich sind. Die Imkerei steht heute vor der größten Herausforderung ihrer Geschichte und dies bietet auch die Möglichkeit einer kompletten Neuorientierung. Der Weg in die richtige Richtung besteht immer aus einzelnen und auch aus kleinen Schritten. Und je mehr Imkerinnen und Imker sich auf den Weg machen, um so freudvoller und angenehmer wird die gemeinsame Reise. Mit einem sorgfältigeren Lektorat wäre die Lektüre dieses Büchleins noch freudvoller und angenehmer – und es wäre seiner wirklich würdig!