Jacqueline Freeman “Song of Increase. Listening to the Wisdom of Honeybees for Kinder Beekeeping and a Better World”

Boulder, CO: Sounds True 2016

Dies ist das schönste, berührendste Buch über Bienen! Und geeignet für tatsächlich jeden: Wer noch keine Bienen hat, fängt dann gleich mit der richtigen Einstellung an. Wer bereits mit wesensgemäßer, bienenzentrierter, behandlungsfreier Bienenhaltung vertraut ist, findet hier sicher noch weitere Anregungen. Und wer einfach nur Honig mag, wird verzaubert vom wunderbaren Wesen dieser einzigartigen Geschöpfe.

Die Autorin bewirtschaftet ihren Hof nach biodynamischen Prinzipien und dementsprechend begegnet sie jedem Lebewesen mit Respekt und Zuneigung. Ihre Beziehung zu Bienen ist geprägt von Hochachtung, Dankbarkeit und Liebe.

In ihrem Buch, das leider noch nicht ins Deutsche übersetzt wurde, dürfen wir sie auf eine Reise in die Welt der Honigbienen begleiten. Wir nähern uns dem Bienenstock wie einem heiligen Ort und erkennen ihn in seiner Vollkommenheit. Jede einzelne Biene richtet ihre Tätigkeit stets auf die Bedürfnisse des ganzen Volkes aus. Der Bien ist eine Einheit, verbunden mit seiner Umgebung: den Pflanzen, dem Licht, der Landschaft, den Jahreszeiten. Jacqueline Freeman beschreibt die unterschiedlichen Aufgaben der Bienen innerhalb und außerhalb ihrer Behausung, die enorme Bedeutung des Stockdufts, des Wachses als Schwingungsträger und der Pflanzenvielfalt, aus welcher die Bienen das für sie Nötige auswählen. Selbstverständlich verwendet Freeman kein Absperrgitter, da die Königin jederzeit Zugang zum gesamten Stock benötigt, um überall ihren königlichen Duft zu hinterlassen. Dieser beruhigt das Volk, weil er vermittelt, dass alles in Ordnung ist.

Sie erzählt uns von den heilsamen Harmonien der Bienengesänge, die jeder Tätigkeit und Stimmung akustischen Ausdruck verleihen. Wir dürfen teilhaben an der sich steigernden Aufregung und Begeisterung in Zeiten der Fülle, der Fruchtbarkeit, des Wachstums und wir spüren diese überschäumende Freude, wenn die Bienen ihr kraftvollstes Lied anstimmen: The Song of Increase – das Lied der Erhöhung. Es kündigt die beiden feierlichsten Ereignisse des Jahres an: den Auszug des Schwarms und die Geburt der jungen Königin sowie ihre Einweihung als neue Stockmutter.

Wie der Untertitel nahelegt, spricht die Autorin mit den Bienen und hört ihnen zu. Uns wird die große Ehre zuteil, lesen zu dürfen, was die Bienen sagen „in ihren eigenen Worten“. Sehr lebendig wird das Buch auch durch persönliche Geschichten, alltägliche wie außergewöhnliche, die das Leben (mit Bienen) so schreibt.

Ebenso gibt sie viele praktische Hinweise, was im Umgang mit Bienen zu tun und vor allem zu unterlassen ist: Den Stock seltener öffnen, im Winter gar nicht. Genug Honig im Stock lassen, keinen Zucker füttern. Sich vor jedem Eingriff fragen, ob er im Sinne der Bienen ist. „Sobald die menschliche Bequemlichkeit einer Handlung zugrunde liegt, dient diese meist nicht dem Wohle der Bienen.“ (S. 38)

Wenn wir uns in einer respektvollen Beziehung mit den Bienen befinden, sind wir in der Lage, ihre Bedürfnisse zu erkennen. Der nächste logische, ja unausweichliche Schritt ist dann weg von konventioneller Bienenhaltung, die meist deutliche Züge von Massentierhaltung trägt. Wir müssen alles vermeiden, was die Biene schwächt und ihr eine vielfältige, reichblühende Umgebung bieten, „damit der Bien wachsen und sich entwickeln kann, entsprechend seiner eigenen Weisheit.“ (S. 161) Ein gesundes Volk kann verschiedenste Herausforderungen meistern und im Gleichgewicht mit Milben leben. Bienen können aber nicht nur sich selbst, sondern auch uns Menschen heilen: mit ihrem Honig, Pollen, Propolis, ihrem Klang, mit ihrer unantastbaren Herrlichkeit und ihrer grenzenlosen Liebe. Wenn wir ihnen zugeneigt sind, uns auf sie einlassen, dann wird sich unser Geist öffnen, unser Bewusstsein erweitern. Wenn wir unsere menschliche Hybris abzulegen bereit sind, werden wir unseren Platz im größeren Ganzen erkennen.

„Ich würde mich freuen, wenn mehr Imker die Methoden der konventionellen Bienenhaltung hinterfragen und sich bienenzentrierter, behandlungsfreier Arbeitsweisen zuwenden.“ (S. 161)

Ich würde mich freuen, wenn dieses großartige Buch ins Deutsche und in alle Sprachen der Welt übersetzt würde!