Jack Bresette-Mills “Einfühlsame Bienenhaltung. Eine Übung in Verwundbarkeit und Gewaltfreiheit”

Great Barrington, MA: Lindisfarne 2016

Sensitive Beekeeping

Der Autor ist Lehrer und eines seiner wichtigsten Anliegen ist es, besonders den Honigfreundinnen den Unterschied zwischen profitorientierter und tierfreundlicher Bienenhaltung nahezubringen; und er tut dies auf sehr charmante und humorvolle Weise. Solange Honig so billig verkauft wird, dass die meisten Erwerbsimker, um davon leben zu können, sowohl die Bienen als auch die Umwelt ausbeuten müssen, wird sich nur wenig ändern. Aber je mehr Menschen über die teilweise grausamen Methoden der konventionellen Bienenhaltung Bescheid wissen, um so mehr sind bereit einen höheren Preis für diese einzigartige Kostbarkeit zu bezahlen. Sobald jemand mit Tieren sein Geld verdient, tauchen zwei wesentliche Fragen auf: „Bin ich einfühlsam genug, um zu wissen, was das Beste für ein anderes Lebewesen ist, und bin ich unabhängig genug, um dem Tier zuliebe auf Geld zu verzichten? (…) Fehlen diese beiden Voraussetzungen führt dies unausweichlich zum Leid der Tiere.“ (S. 78) Angesichts all des Schmerzes, der den Bienen bereits zugefügt wurde, ist es erstaunlich, dass sie überhaupt noch am Leben sind. „Obwohl mittlerweile feststeht, dass Neonikotinoide die Hauptursache der ‚Colony Collapse Disorder‘ sind, finde ich es erstaunlich, dass der generelle Missbrauch, der an Bienen zum Zwecke der Massenhonigproduktion und Pflanzenbestäubung stattfindet, nicht in Frage gestellt wird. Künstliche Mittelwände, Zuckerfütterung, zugesetzte Notfallköniginnen, weite Reisen um Monokulturen zu bestäuben, wobei Bienenrassen vermischt und lokale Krankheiten landesweit verbreitet werden, die Verwendung von Absperrgittern und Pollenfallen (…) wie ein allgemein zu hoher und häufiger Pestizideinsatz … Wie haben es die Bienen geschafft, trotz dieser massiven Angriffe so lange zu überleben?“ (S. 83f.)

In seinem Buch zeigt der Autor einen anderen Weg auf, mit Bienen umzugehen, nämlich eine Beziehung zu ihnen aufzubauen, die zugleich uns selbst Weiterentwicklung ermöglicht. Ohne Schleier und Handschuhe verhalten wir uns respektvoll, aufmerksam und vorsichtig – und die Bienen wissen das zu schätzen. Mit der Zeit werden wir erkennen, was sie brauchen, und bis dorthin finden wir wichtige Hinweise in diesem Buch: über die Grundlagen, die Ausstattung, die Beuten, den Umgang mit Angriffen von Ameisen, Milben oder Wachsmotten sowie die allgemeine Instandhaltung eines Bienenstandes. Er möchte, dass wir die Bienen verstehen – nicht nur von einem eingeschränkten wissenschaftlichen Standpunkt aus, sondern aufgrund von Beobachtung und einer Erkenntnis, die von Herzen kommt. „Wissenschaftler bestätigen ungern einer Spezies Intelligenz, außer der eigenen, sondern bevorzugen es, jedes verblüffende Verhalten dem Instinkt zuzuschreiben, so als ob dies die Erklärung für alles wäre.“ (S. 64)

Wer mit Bienen anfangen möchte, findet nicht leicht gute Ratgeber. Es gibt etwa kein einziges Buch auf deutsch über bienenzentrierte, achtsame, behandlungsfreie Bienenhaltung. Hingegen sind schlechte Ratgeber weit verbreitet, denn dahinter steht eine finanzkräftige Industrie. Wie bereits aus der Humanmedizin bekannt, „lässt sich mit Gesundheit viel weniger verdienen als mit Krankheit. Wenn Sie ein Produkt verkaufen, das die Notwendigkeit eines anderen Produktes bewirkt, das ebenfalls Sie verkaufen, sind Sie reich. Die schlechten Ratschläge bringen die Bienen nicht um, sondern schwächen sie dermaßen, dass für den Imker die Notwendigkeit entsteht, ihnen stärkende Mittel zu kaufen (Antibiotika, Säuren usw.) – das ist gut für die Wirtschaft, aber nicht für die Bienen.“ (Eingangsbemerkung)

Wenn Sie gesunde Völker möchten, die in der Lage sind sich gegen Angriffe jeglicher Art zu verteidigen, dann dürfen Sie nichts tun, was sie schwächt, d. h. Sie sollten „Methoden praktizieren, welche die Fähigkeit der Bienen stärken, sowohl Krankheiten als auch Schädlinge selbst zu bekämpfen.“ (S. 89) Welche Methoden das sind, was Sie tun und was Sie besser unterlassen sollten, all das wird in diesem Buch erklärt. Zusammengefasst in einem (langen) Satz: “Wenn wir den Bienen genug von ihrem eigenen Honig übrig und sie ihre Waben selbst bauen lassen, den Zusammenhalt eines Volkes nicht durch Austausch nach eigenem Gutdünken stören, sie nicht im LKW quer durchs ganze Land transportieren, ihnen eigene Königinnen machen lassen anstatt jährlich die alte Königin zu töten und durch eine fremde Zuchtkönigin zu ersetzen; wenn wir sie weder durch ein Absperrgitter noch eine Pollenfalle zwingen jeden einzelnen Tag ihres Lebens, dann wären unsere Bienen wohlauf.“ (S. 130)

Ein achtsamer, liebevoller Umgang mit Bienen kann Ihr Bewusstsein erweitern, Sie auf die Reise zu sich selbst führen. Auch wenn die spirituelle Suche nicht der Grund dafür war mit dem Imkern zu beginnen, so kann sie sich doch auf wundersame Weise daraus ergeben.