Heinrich Storch “Am Flugloch”

Heinrich Storch: Am Flugloch. Selbstverlag 1951 (zitiert nach: 12. Aufl., Europäische Bienenzucht Ausgaben, o.O., o.J.)

Am Flugloch

Ein gesundes Volk will seine Ruhe haben, wenn seine Schaffensfreude erhalten bleiben soll! Ein ‚Eingriff‘ soll in der Regel erst dann erfolgen, wenn man an der Flugöffnung erkennt, daß im Volke etwas nicht in Ordnung ist. Dieses Erkennen des inneren Zustandes der Völker am Benehmen an der Flugöffnung ist nicht immer ganz leicht, und man lernt es erst nach einer langen Reihe von Jahren, besonders wenn man hierbei auf sich allein angewiesen ist und von niemandem belehrt wird. (…) Es liegt daher im ureigensten Interesse jedes einzelnen Imkers, sich in dieser Hinsicht so bald und so gründlich wie möglich zu schulen und zu ertüchtigen. Nicht nur Auge und Ohr des Beobachtenden sind hierbei in den Dienst der Sache zu stellen, sondern oft auch der Geruchs- und Tastsinn, vor allem aber Herz, Gemüt und Verstand.“ (S. 3)

Dieses Büchlein dient als Nachschlagewerk eher denn als Lesebuch. Wir machen eine Beobachtung und können hier nachlesen, was sie zu bedeuten hat. Nicht alphabetisch, sondern nach dem Zeitpunkt des Ereignisses lässt sich die Suche eingrenzen: „während der Wintermonate“, „am Tag der großen Reinigung“, „während der Durchlenzung“, „während der Zeit des großen Blühens“ und „dem Winter entgegen“. Die Stockunterlage wird in einem eigenen Kapitel betrachtet und ebenso die „Beobachtungen am Baurahmen (nach Paschke)“.

Auch wenn heutzutage häufig vermittelt wird, ein jeder könne einfach Bienen halten – im Schrebergarten oder als schicke Stadtimkerin am Balkon oder Dach; ganz so leicht ist es nicht und es ist unverantwortlich den Tieren gegenüber … heute wie damals: „So mancher tritt ein in unsere Reihen – bar jeder Vorkenntnisse. (…) Zu jenen Beschäftigungen aber, bei denen man sich dies, ohne schwer ‚draufzuzahlen‘, gestatten darf, gehört die Bienenzucht nicht, denn solange dem Imker der besetzte Bienenstock nichts als lauter Rätsel birgt, solange er sich bei jedem Geschehen auf dem Bienenstande über Ursache und Wirkung völlig im Unklaren befindet, solange er die mannigfachen Wechselbeziehungen, welche zwischen Natur und Bienenvolk bestehen, nicht richtig erfaßt und erkannt hat, solange werden und können seine Erfolge nur ganz bescheidene sein – oder sie sind dem Zufalle anheimgestellt. (…) Wo bleibt der Idealismus bei jenen Imkern, die in Unwissenheit verharren und in deren Händen die Bienenvölker jahraus, jahrein einzig und allein aus dieser Ursache verschiedene Drangsale und Leiden, oft sogar Not und Tod erdulden müssen.“ (S. 64)

Mit seinem Büchlein trägt der Autor Wesentliches zum Verständnis der Vorgänge am Bienenstand bei – auch nach fast 70 Jahren noch!